Die Weilburger Brücke

Die Geschichte einer Brückenplanung in Weilburg – Eine Bewertung des Prozesses im Nachhinein

 

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Es ist nicht meine Absicht mit erhobenem Zeigefinger auf eine Entwicklung zu zeigen, die hätte auch anders verlaufen können. Es geht hier um die Darstellung eines Prozesses und den Lehren daraus für die Zukunft.

Zunächst das Positive: Weilburg bekommt eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Lahn – voraussichtlich wird diese im Februar 2021 fertig sein. Das Land Hessen übernimmt 1,45 Millionen der 1,8 Millionen Gesamtkosten. Dann sind 5 Jahre Brückendiskussion vergangen und eine Verdopplung der Baukosten

Danke an die schwarz-grüne LANDESREGIERUNG IN HESSEN!

NUN DIE GESCHICHTE DER WEILBURGER BRÜCKENPLANUNG:

1.      Mit 750 000 € fing alles 2016 an

Im Januar 2016 konnten die Leser des Weilburger Tageblattes lesen, dass Weilburg eine neue Fußgängerbrücke brauche, die auch den Radfahrweg R 7 anbinde. Die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn zur Sanierung des bestehenden Fußgänger-Stegs waren gescheitert. Der Vorschlag aus der Verwaltung war folgender: Ein Steg aus Aluminium und Holzbelag wurde mit 750 000 € veranschlagt, man erwarte einen Landeszuschuss von 450 000 €, 50 000€ kämen aus dem städtbaulichen Denkmalschutz und 250 000 € müsse die Stadt zahlen. Zusätzliche 115 000€ für eine Rampe kämen aus dem kommunalen Investitionsprogramm des Bundes. „Täglich nutzen 4000 SchülerInnen den Weilburger Bahnhof und ZOB“ so der damalige Bürgermeister Schick in Weilburger Tageblatt. Die Rampe ist 2019 längst gebaut, aber nicht die Brücke.

2.      Der erste Entwurf einer Pylonenbrücke für 1 260 000 €

Der erste Entwurf und das dazugehörige Angebot einer Schrägseilbrücke (Pylonenbrücke) durch das renommierte Büro Miebach wurde am 29.08. 2016 in das Stadtparlament eingebracht.

Das Büro Miebach bezifferte die Kosten für die Schrägseilbrücke mit 1.080.000 € und für die Hängeseilbrücke (1.260 000€). Holz als Bodenbelag wurde für diese Brücke vorgesehen. Es bedurfte noch eines Bodengutachtens für Gründungsfragen und die Anbindung an den Busbahnhof. Der Bau eines Mittelpfeilers und damit zusätzliche Gutachten zum Grund der Lahn und des Kampfmittelräumdienstes entfielen bei diesem ersten konkreten Vorschlag.

Hängebrücken und Pylonenbrücken werden in aller Welt gebaut. Fährt man Lahn flussabwärts, so sieht man Brückenneubauten nur als Pylonenbrücken. Der schöne Holbeinsteg über den Main in Frankfurt ist eine Pylonenbrücke.

 

3.      Die Fachwerkvariante aus Stahl mit Pfeiler in der Lahn – und ihre stetige Kostenentwicklung

Aber die Weilburger Mehrheitsfraktionen wollten eine Fachwerkbrücke aus Stahl mit einem Mittelpfeiler in der Lahn.

Diese Brückenvarianten wurden von FDP, FWG und dann auch durch die CDU in die Diskussion gebracht. Die Befürworter priesen diese als die billigere Variante an.

Diese Fachwerkbrücke koste nur 952.000 € so der Stadtverordnete der FWG-Fraktion nach einer Kostenaufstellung eines Limburger Ingenieurbüros im Bauausschuss am 07.12.2016.

Die GRÜNE-Fraktion im Stadtparlament wies darauf hin, dass dem nicht so sei. Ein Mittelpfeiler in der Lahn, verursache zusätzliche Gutachten und ein Bau sein nur in Monaten ohne Hochwasser möglich. Dies alles würde den Bau verteuern.

Die Mehrheitsfraktionen im Parlament beschlossen am 15.09.2016 die Prüfung weiterer Varianten zur Pylonenbrücke.

Das Diskussionsklima im Stadtparlament verschärfte sich, dahingehend, dass seitens einzelner Stadtverordneten von FWG und FDP den anderen Mitgliedern des Parlamentes, besonders den GRÜNEN, der Sachverstand und die Entscheidungsfähigkeit zum Brückenbau abgesprochen wurde.

Am 03.02.2017 brachte die FWG-Fraktion eine Berechnung für eine Fachwerkbrücke aus Stahl des Limburger Ingenieurbüros ins Parlament. Diese sollte sich an die historische Eisenbahnbrücke anlehnen und koste nun schon 1 047200 €. Darin enthalten waren noch nicht die Gründungsgutachten und andere, die aufgrund des Baues eines Mittelpfeilers in der Lahn notwendig wurden.

Am 23.08.2018 wurde gegen die Stimmen der GRÜNEN und eines Mitglieds der SPD-Fraktion die teurere Variante einer Fachwerkbrücke beschlossen. Die Kostenschätzung belief sich damals auf 1.380 000 €. Das sind 428 000 € mehr als im Bauausschuss 2016 genannt wurde.

Zwei Jahre gingen nun schon die SchülerInnen den längeren Weg über die Oberlahnbrücke.

Nach einer Anfrage von BÜNDNIS 90/Die Grünen bestätigte der jetzige Bürgermeister Hanisch, dass die Gesamtkosten jetzt mit 1.789 000, also 1,8 Millionen, beziffert werden. 1,45 Millionen trage das Land Hessen.

Fazit

Weilburg hat Glück gehabt, denn die Stadt trägt selbst „nur“ ca. 400 000 €. Die schwarz-grüne Landesregierung hat das Projekt gerettet.

Man sieht vielerorts die gelungene Kombination von altem und neuem Baustil. Das hätte auch in Weilburg gelingen können.

Wir brauchen im Stadtparlament offene und wertschätzende Diskussionen, die orientiert sind am Wohl der Stadt, der Bürger und nicht an Egoismen und Machtgeplänkel.

Wir brauchen im Parlament Menschen, die sich engagieren und debattieren, damit solche Verzögerungen und Zeit- und Ressourcenverschwendungen ein Ende haben und der sinnvolle Einsatz von Steuermitteln möglich wird.

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